Europa entdeckt Campus Deutschland

Praxisnah und erschwinglich: Für europäische Studierende wird es immer attraktiver, in Deutschland zu studieren. Auch wegen des Deutschlandstipendiums. Eine Französin und eine Griechin begründen ihre Entscheidung.

Die Französin Audrey Schlegel studiert lieber praxisnah. Sie bewirbt sich für das Deutschlandstipendium. Foto: © BMBF 2012.

Paris? London? Oder vielleicht doch lieber Saarbrücken? Für Audrey Schlegel aus dem französischen Colmar ist das längst keine Frage mehr. Sie komme aus einer sehr europäisch geprägten Familie, erzählt die heute 22-Jährige in fast perfektem Deutsch. Deshalb habe es sie bereits als Erasmus-Studentin in den nördlichen Teil des Dreiländerecks an der Saar gezogen. Abrunden wollte sie ihr Studium dann eigentlich an einer der renommiertesten Managerschmieden Großbritanniens. Doch schnell merkt sie, dass ihr in den Seminaren der Praxisbezug fehlt. Auch die hohen Schulgebühren von 11.000 Pfund drücken. Audrey Schlegel bricht ihr Studium in London ab und entscheidet sich für das Master-Studium "Europäische Integration" an der Universität des Saarlandes.

"Die Professoren sitzen nicht im Elfenbeinturm"

Für den besonderen Aufbaustudiengang am Europa-Institut der Universität zahlt sie nur 4.000 Euro Studiengebühren im Jahr. Und sie könne viel eigenständiger arbeiten und werde viel mehr gefordert, sagt die Jura-Studentin: "Der Praxisbezug ist höher, die Professoren sitzen nicht im Elfenbeinturm." Ein weiterer Pluspunkt sei das Deutschlandstipendium, mit dem erstmals private Förderer und der Staat begabte Studenten gemeinsam unterstützen. Für das kommende Semester wolle sie sich dafür bewerben: "Gute Noten habe ich ja", lacht Audrey Schlegel. Schließlich will sie nach ihrem Studium auch noch in Deutschland promovieren. Mit ihrem positiven Urteil steht die junge Französin stellvertretend für eine ganze Generation ausländischer Studenten.

400 Deutschlandstipendiaten aus dem Ausland

Sie alle schätzen das praxisnahe und forschungsstarke Studium an deutschen Hochschulen, ergab im Frühjahr 2012 eine Befragung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) unter rund 17.000 ausländischen Studierenden. Für das Studium in Deutschland sprechen inzwischen auch finanzielle Gründe, wie kanadische Forscher in einer internationalen Studie berichten. Demnach ist es für Studierende in der Bundesrepublik vergleichsweise einfach, sich ein Studium zu leisten. Ein Grund dafür sei auch das im Jahr 2011 eingeführte Deutschlandstipendium. 5.400 Studentinnen und Studenten wurden damit bereits im ersten Jahr unterstützt, gab das Statistische Bundesamt bekannt. Immerhin knapp 400 von ihnen waren Studierende aus dem Ausland.

In Deutschland sitzen viele potenzielle Arbeitgeber

Auch für Eleni Patrikiou lag es auf der Hand, für ihren Master nach Deutschland zu kommen. Die 25-jährige Athenerin schreibt sich im September 2011 für den Studiengang "Power Engineering" an der TU München ein: "In Deutschland sitzen viele potenzielle Arbeitgeber - gerade in der Schwerindustrie", sagt die Studentin. Das Deutschlandstipendium sei dabei eine wichtige Hilfe, gleich nach dem Studium einen Job zu finden: "Über das Stipendium kann ich gute Kontakte in die Wirtschaft und zu
potenziellen Arbeitgebern knüpfen", sagt die Studentin. Sie wird seit April 2012 mit einem Deutschlandstipendium gefördert - Sponsor ist Siemens Energy. "Mein Traum ist es, später von einer deutschen Firma nach Griechenland versetzt zu werden." Die 300 Euro des Deutschlandstipendiums kann sie gut gebrauchen: Schließlich ist München nicht nur bekannt für den guten Ruf seiner TU - sondern auch für die hohen Mieten.

Das Deutschlandstipendium wurde 2011 durch die Bundesregierung eingeführt. Das neue Programm der Spitzenförderung Studierender durch den Bund und private Förderer bieten inzwischen die meisten staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland an. Wer sich für ein Stipendium oder für die Förderung interessiert, wendet sich am besten direkt an die Hochschule seiner Wahl.

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